Die Essener Arbeitsgruppe Pädagogische Jugendforschung

Am Anfang der 1980er Jahre entstand an der Universität Essen eine Arbeitsgruppe, die die theoretischen und methodischen Voraussetzungen einer qualitativ-empirischen und texthermeneutischen  Jugendforschung ausarbeitete und eine Serie erfolgreicher DFG-Projekte durchführte. Erste Mitarbeiter waren u. a. Werner Helsper, Alfred Bietau, Ilsegret Niestradt und Werner Thole.

 

Im Jahr 1985 wurde diese Arbeitsgruppe durch Heinz-Herrmann Krüger und eine Gruppe Dortmunder Absolventinnen und Absolventen der Erziehungswissenschaft erweitert. Gemeinsam wurde das Institut für Jugendforschung und pädagogische Praxis e. V. am Camillo-Sitte-Platz 2 in Essen gegründet.

 

Das Institut war für die nächsten zwölf Jahre Träger, zunächst einer umfassenden Ausstellung zur Geschichte der Jugendkulturen im Ruhrgebiet 1900 – 1985, dann einer Serie von Forschungs- und Qualifizierungsprojekten, in denen u. a. Mechthild Bertram, Peter Kuhnert, Hans-Jürgen Wensierski, Martin Kamp, Bernd Stelmaszyk und Werner Lindner beschäftigt waren.

 

Dieser Arbeitszusammenhang wird mit gewissem Recht als der Kern der Essener Schule einer qualitativ-empirischen Jugendforschung wahrgenommen, der bundesweit einen neuen Trend der pädagogischen Jugendforschung einleitete und neben Frankfurt (Helmut Becker) und Göttingen (Klaus Mollenhauer) erste DFG-finanzierte Projekte durchsetzte. Parallel konnten Werner Fuchs (Hagen) und Jürgen Zinnecker (Marburg) eine vergleichbare Neuausrichtung der  Shell-Jugendstudie erreichen. (Vgl. Shell Jugend 1981).

 

Von den genannten Mitarbeitern sind (2011) folgende Personen auf Hochschullehrer- und Professorenstellen:

 

  1. Werner Helsper (1995 Universität Mainz, 1999 Universität Halle a. d. Saale),
  2. Werner Thole (1994 u. a. FH Hildesheim, 1997 FH Köln, 1999 Universität Kassel),
  3. Hans-Jürgen Wensierski (2004 Universität Rostock),
  4. Werner Lindner (2007 FH Jena) und
  5. Bernd Stelmaszyk (2011 Universität Würzburg).

 

 

Promotionen (Erstgutachter):

 

Martin Kamp: Kinderrepubliken. Geschichte, Praxis und Theorie radikaler Selbstregierung in Kinder- und Jugendheimen. Universität Essen 1994, Leske und Budrich 1995 (708 S.)

 

Volker van der Locht: Von der karitativen Fürsorge zum ärztlichen Selektionsblick. Zur Sozialgeschichte der Motivstruktur der Behindertenfürsorge am Beispiel des Essener Franz-Sales-Hauses. Universität Essen 1996, Leske und Budrich 1997 (429 S.)

 

Werner Lindner: Jugendprotest seit den Fünfziger Jahren. Dissens und kultureller Eigensinn, Universität Essen 1996, Leske und Budrich 1996 (480 S.)

 

Bernhard Stelmaszyk: Jugendliche Übersiedler zwischen Familie und Gesellschaftsgeschichte, Universität Essen 1999, Leske und Budrich 1999 (339 S.)

 

Georg Nienhaus: Subjektive Erklärungskonzepte jugendlicher Delinquenz. Qualitative Inhaltsanalysen sozialpädagogischer Stellungnahmen der Jugendgerichtshilfe, Universität Essen 1999 (364 S.)

 

Dietmar Fack: Automobil, Verkehr und Erziehung. Motorisierung und Sozialisation zwischen Beschleunigung und Anpassung 1885 – 1945, Universität Essen 1999, Leske und Budrich 2000 (535 S.)

 

Annette Lützke: Öffentliche Erziehung und Heimerziehung für Mädchen 1945 – 1975. Bilder „sittlich verwahrloster“ Mädchen und junger Frauen, Universität Essen 2002 (321 S.)

 

Achim Frohnhofen: Jugendliche im „Raum ohne Eigenschaften“. Eine Regionalanalyse des Kreises Heinsberg mit Garzweiler II, Universität Essen 2003, Leske und Budrich 2003 (349 S.)

 

Anja Seifert: Körper, Maschine, Tod. Zur symbolischen Artikulation in Kunst und Jugendkultur des 20. Jahrhunderts, Universität Essen 2004, Leske und Budrich 2004 (402 S.)

 

Bernhard Graf von Schmettow: Jüdische Kindheit in Essen. Zur Rekonstruktion der Lebensverhältnisse jüdischer Kinder in Essen von 1920 bis 1945, Universität Duisburg-Essen 2006 (617 S.)

 

Tobias Lobstädt: Tätowierung, Narzissmus und Theatralität. Selbstwertgewinn durch die Gestaltung des Körpers, Universität Duisburg-Essen 2011, Verlag für Sozialwissenschaften 2011 (266 S.)


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